Neu gebaut

18. Januar 2017um 22:30

Klimatisch

Klimaschonend wohnen im Passivhaus: 

Drei Parteien in einem Haus

 

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Zur Gartenseite hin sorgen die großen Fenster für viel Tageslicht in den Wohnungen. Um im Sommer eine zu starke Wärmeentwicklung zu vermeiden, können die Fenster durch außenliegende Raffstores schattiert werden.

„Wer heute ein neues Haus baut oder einen Altbau saniert, legt vor allem mit der Dämmqualität der Außenwände, des Daches und der Fenster seine Heizkosten auf Jahrzehnte fest“, sagt die Architektin Gabriele Diekötter. Aus diesem Grundsatz heraus entschied sie sich gemeinsam mit ihrem Partner Kurt Gramlich und dem Ehepaar Lisa und Erwin Ott, als Baugemeinschaft ein Passivhaus mit drei Wohneinheiten zu errichten. Neben der klimaschonenden und nachhaltigen Bauweise standen für Gabriele Diekötter und Kurt Gramlich ein zukunftsfähiger Energiestandard im Vordergrund, um die Atmosphäre mit möglichst wenig Kohlendioxid durch Heizen und Warmwasser zu belasten. Für Familie Ott war ein bedürfnisgerechtes Wohnen in der Innenstadt mitentscheidend für das Projekt. Das Baugrundstück in der Hohenzollernstraße erfüllte diese Ansprüche an die Lage und bot auch die Möglichkeit, drei Wohnungen zu errichten.

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Kurt Gramlich, Gabriele Diekötter, Erwin und Lisa Ott (v.l.) bauten gemeinsam ein Passivhaus mit drei Wohneinheiten.

Der First des Hauses liegt in Nord-Süd-Richtung, die wichtige Wintersonne bescheint den Südgiebel des Hauses. Mit drei Wohneinheiten hat das Gebäude schon ein gutes Volumen-Oberflächen-Verhältnis, was eine Passivhaus-Bauweise begünstigt. Zwei der Wohnungen öffnen sich mit großer Fensterfront nach West-Süd-West, eine Wohnung nach Süden und Westen. Neben der dreifachen Verglasung zeichnen sich Passivhaus-Fenster durch einen gedämmten Rahmen aus. „Die eingetragene Solarwärme wird über den gemeinsamen Wärmetauscher der Lüftungsanlage im ganzen Haus verteilt, so dass auch die nach Norden liegende Wohneinheit genügend Wärme bekommt“, erklärt Herr Gramlich. Ein außenliegender Sonnenschutz sorgt auch im Sommer für ein angenehmes Wohnklima. In zwei Wohnungen ist die erste Geschossdecke nicht durchgehend bis zu den großen Westfenstern gezogen, sondern etwas zurückgesetzt. So scheint die tiefstehende Wintersonne weit in das Erdgeschoss hinein, was dem Gebäude einen besonderen Reiz gibt.

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Ulrich Honigmund beim Luftdichtheitstest (Blower-Door-Messung) zur Bestimmung des Luftwechsels und zur Leckageortung.

Eine luftdichte Bauweise und eine Passivhaus-zertifizierte Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung sorgen zu jeder Zeit für frische Luft im Haus. Zwei Luftdichtheitsmessungen lieferten den Nachweis, dass das Haus ausreichend luftdicht errichtet wurde. Im Erdreich verlegte Soleleitungen (2 x 80 m) erwärmen im Winter die kalte Zuluft auf frostfreie Temperaturen vor, im Sommer können sie die Zuluft um ein paar Grad abkühlen. Den größten Anteil der Wärme liefert im Winter die Wärmerückgewinnung der Lüftungsanlage. „Einmal warm, immer warm – wir lassen die Wärme einfach gar nicht mehr raus!“, sagt Kurt Gramlich. Das Warmwasser wird zum größten Teil mit thermischen Kollektoren erzeugt. In einem gut gedämmten 900-l-SolvisMax-Schichtenspeicher wird die Energie zwischengelagert. Das Gas-Brennwertgerät ist in den Speicher eingebaut. Diese Anlage stellt auch die Restwärme (unter 15 kWh/m2/a) zur Heizung bereit. Nur wenn die von Personen und Geräten erzeugte Abwärme sowie die solaren Gewinne nicht ausreichen, übernimmt der Brenner die Nacherwärmung.

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Durch eine vernünftige Dämmung des Daches, der Wände und der Fenster lassen sich erhebliche Heizkosten einsparen.

So reduziert sich die Heizperiode im Passivhaus auf drei bis vier Monate. Die Wärme aus dem Speicher wird über kleine, traditionelle Heizkörper und kleine Fußbodenheizungen in den Bädern verteilt.Der hohe Dämmstandard der Fenster erlaubt es, die Heizkörper an beliebiger Stelle im Raum anzuordnen. Um die Wärmeverluste im Haus gering zu halten, wurde beim Bauen deutlich mehr gedämmt, als normalerweise üblich ist. Wichtig ist eine strikte Trennung von kalten und warmen Räumen. Darauf wurde besonders beim Abgang zum Keller geachtet. So gibt es in diesem Haus eine dreifach verglaste Passivhaustür zum Keller. Die Kellerdecke ist unterbrechungsfrei gedämmt. Alle neuen Wände sind mit Schaumglas thermisch entkoppelt.

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Die Passivhaus-zertifizierte Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung sichert die Frischluftzufuhr in allen Wohnungen.

Die Baugemeinschaft kann kommenden Energiepreissteigerungen gelassen entgegensehen. Die bisher vorliegenden Verbrauchswerte bestätigen das Passivhaus-Konzept. Das Gebäude wird in der Regel von fünf Personen bewohnt. Für Kochen, Heizung, Warmwasser und Strom wurden insgesamt unter 60 kWh/m2 und Jahr eingesetzt. Der Heizungsanteil liegt unter 15 kWh/m2/a. „Wenn neu gebaut wird, dann ist ein Passivhaus in 95 % aller Fälle die wirtschaftlichste Lösung“, zitiert Kurt Gramlich, der sich seit vielen Jahren mit dieser Thematik beschäftigt, die neueste Studie der Stadt Frankfurt. Ab 2020 ist der Passivhaus-Standard durch die aktuelle EU-Gebäuderichtlinie für alle Neubauten vorgeschrieben. Die Baugemeinschaft plant, das Gebäude mit einer Photovoltaik-Anlage mit kleinem Speicher zu ergänzen. Für alle, die das Passivhaus-Gefühl kennenlernen wollen, empfiehlt die Baugemeinschaft einen Besuch in einem Passivhaus. Im Herbst eines jeden Jahres gibt es einen Tag der offenen Tür, bei dem weltweit Passivhäuser besichtigt werden können.

Übersicht Passivhaus
Wandaufbau:53 cm
Kalksandstein-Mauerwerk:17,5 cm
Dämmplatten 032:34 cm
U-Wert:0,091
Kellerdecke:38 cm
Estrich:6 cm
Dämmung EPS 025:18 cm
Beton:14 cm
U-Wert:0,129
Dachaufbau:

U-Wert: 0,086
49,3 cm
Gipskarton:1,3 cm
Lattung:4 cm
Sparren:24+16 cm
Holzweichfaserplatte: 4 cm
PHPP Berechnungswerte:11W/m2
Heizlast:14,92 kWh/(m2a)
Drucktest: 0,6
Beheizte Wohnfläche:340 m2

 

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