Verbessert

18. Januar 2017um 22:41

Klimatisch

Umbaumaßnahmen und Anbau bei einem Stadthaus:

Klima- und Denkmalschutz im Einklang

 

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Diese gelungene Sanierung wurde mit dem ersten Gütersloher Altbaupreis ausgezeichnet.

„Wir wollten in die im Jahr 1902 erbaute Stadtvilla drei separate moderne Wohnungen einbauen“, sagt die angehende Architektin Lisa Spooren. „Die Herausforderung bei so einem interessanten Projekt ist es, das Gesicht des historischen Gebäudes zu bewahren und trotzdem ein modernes, energetisch effizientes Konzept zu verwirklichen.“ Gemeinsam mit dem Architekturbüro ihres Vaters hat sie den Umbau als Bauleiterin betreut und bewohnt heute mit ihrer Familie die Wohnung im ersten Stock. Das heute unter Denkmalschutz stehende Backsteinhaus war früher als Einfamilienhaus konzipiert, so dass eine wohlhabende Familie mit ihren Bediensteten auf etwa 250 m2 lebte. Um in das Gebäude drei eigenständige Wohnungen zu bauen, musste ein neues Treppenhaus vom Nebeneingang aus errichtet werden. „Der historische Hauseingang an der Straßenseite wird heute nur noch gelegentlich für die Erdgeschosswohnung genutzt“, so Frau Spooren. Neben dem Denkmalschutz stand die energetische Sanierung des Hauses an erster Stelle. „Im Dachgeschoss waren früher die Mädchenzimmer der Bediensteten untergebracht. Da war gar nichts gedämmt“, erinnert sich Lisa Spooren. „Man konnte hinter der dünnen Presspappe direkt auf die Dachziegel schauen.“ Der Dachstuhl wurde von innen aufgedoppelt, mit einer Zwischensparrendämmung versehen und neu eingedeckt. Die Kellergeschossdecke erhielt eine Hohlschichtdämmung. „Was die gemauerte Außenfassade angeht, hatten wir großes Glück“, so Frau Spooren, „das alte Ziegelmauerwerk war zweischalig ausgeführt und wir konnten den Hohlraum mit Steinwolleflocken verfüllen. Außerdem hatte der Wandaufbau den großen Vorteil, dass die Balkenköpfe der Holzdecke auf der inneren Steinschicht auflagen und durch die Luftschicht trocken geblieben sind. Sonst wären sie vermutlich im Laufe der Zeit verfault.“ Wo keine Hohlschicht vorhanden war, wurde eine Innendämmung mit Kalziumsilikatplatten aufgebracht.

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Zur Gartenseite hin wurde ein moderner Anbau an das Haus gesetzt, der die Wohnfläche erweitert und allen drei Wohnungen eine eigene Terrasse bietet.

Ein an der Südseite errichteter moderner Anbau mit verputzter Fassade vergrößert die Wohnfläche auf 315 m2. Dadurch entstanden im Erdgeschoss zwei neue Wohnräume mit einer angrenzenden Holzterrasse. Im ersten Stock kamen ein Wohnraum sowie ein großer Dachbalkon dazu und das Dachgeschoss wurde ebenfalls mit einem Dachbalkon ausgestattet. „Lichtdurchflutete Wohnräume sind uns sehr wichtig“, so Lisa Spooren. „In unserer Wohnung haben wir den Wohn- und Essbereich als großen, offenen Raum gestaltet. Damals waren auf der Südseite viele kleine einfach verglaste Fenster, durch die aber kaum Tageslicht in die Wohnung gelangte. Durch größere dreifachverglaste Fensteröffnungen konnte der Wohnraum zum Balkon hin geöffnet werden. Elektrisch betriebene Außenraffstores im Anbau steuern den Lichteinfall.“

Ganz anders die Vorgehensweise bei der straßenseitigen Schmuckfassade: Im Zweiten Weltkrieg wurde der Giebel der Villa durch eine Bombe stark beschädigt und nur behelfsmäßig in Stand gesetzt. Der Giebel konnte aber mit Hilfe einer historischen Aufnahme originalgetreu restauriert werden. Lediglich im Obergeschoss und im Treppenhaus waren die historischen Kastenfenster von 1902 erhalten und wurden aufgearbeitet. Alle anderen Fenster wurden durch nachgebaute Holzfenster mit Dreifachverglasung ersetzt.

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In der Wohnung im 1. Stock wurden alte und neue Elemente miteinander kombiniert. Die großen Fenster nach Süden sorgen für viel Licht und unterstreichen den offenen Wohncharakter.

„Wir haben die Kastenfenster im Bade- und Schlafzimmer selbst aufgearbeitet. Um die Gebrauchsspuren am Rahmen sichtbar zu lassen, haben wir diese nur mit einem Klarlack versehen“, erläutert Frau Spooren. Die alte Gasheizung von 1983 wurde durch ein Gasbrennwertgerät ersetzt. Auf der südlichen Dachfläche wurden Dachflächenfenster und Solarkollektoren zur Warmwassererwärmung eingebaut. „Durch die optimierte Dämmung der Gebäudehülle und die großen Südfenster wurden bei uns im ersten Winter die Heizkörper kaum angestellt. Wir haben natürlich auch den Vorteil, dass wir in der Mitte wohnen und nach oben und unten keine Wärme verlieren“, sagt Lisa Spooren. Im Anbau sowie im Badezimmer wurde eine Fußbodenheizung verlegt. Die übrigen Räume werden bei Bedarf über Heizkörper und einen Holzofen beheizt.

Lisa Spooren

Die angehende Architektin Lisa Spooren betreute den Umbau als Bauleiterin und bewohnt mit ihrer Familie die Wohnung im ersten Stock.

„Wir wollten soviel Originalsubstanz wie möglich erhalten“, so die angehende Architektin. „Während der Bauarbeiten ist noch ein alter Mosaikfußboden auf der straßenseitigen Loggia zum Vorschein gekommen. Ein Teil davon konnten wir unter einer begehbaren Glasscheibe erhalten.“ Das Büro Spooren Architekten hat großen Wert darauf gelegt, moderne und historische Elemente miteinander zu kombinieren. So wurden alte Stuckrundungen in den Innenräumen in mühevoller Handarbeit restauriert. „Die alten Holztüren sind noch die Originaltüren von 1902. Wir haben etwa zehn Lackschichten entfernen müssen, bis das Holz zum Vorschein kam. In diesem Sommer werden wir die Türen noch mit Leinölfirnis behandeln.“

 

Übersicht Sporen
Baujahr:1902
Wohnfläche:Mehrfamilienhaus mit drei Wohneinheiten: insgesamt 315 m2
Jährlicher Energiebedarf
vor der Sanierung:8.066 kWh Gas
Sanierungsmaßnahmen:• Hohlschichtdämmung der Außenwände und Kellerdecken mit Steinwolle
• Aufdoppelung des Dachstuhls und Einbau einer Zwischensparrendämmung
• Erneuerung der Dacheindeckung
• Montage und Nutzung von Solarkollektoren mit 380 l Speicher
• Erneuerung der Fenster (3-fach Verglasung) bzw. Aufarbeitung der denkmalgeschützten Fenster und Einbau neuer Verglasung
(2-fach Verglasung)
• Innendämmung der übrigen Außenwände
• Austausch der Standard-Gasheizung durch einen Gas-Brennwertkessel
• Erweiterung durch einen modernen Anbau
• Schließen und Ersetzen der Rolllädenkästen
Kosten der Sanierung:ca. 681.000 € (reine Baukosten)
Energieeinsparung/
Nebenkostenersparnis
pro Jahr:
65 Prozent
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